Wurzeln unterwandern Frauenfriedenskirche:  Unerwartete Herausforderungen bei der Sanierung

 

Die katholische Pfarrei Sankt Marien im Frankfurter Westen plant seit zwei Jahren eine grundlegende Sanierung ihrer Pfarrkirche, der Bockenheimer Frauenfriedenskirche in der Zeppelinallee. Das größte Friedensdenkmal Frankfurts, erbaut 1929 von Frauen als Mahnmal nach dem Schrecken des Ersten Weltkriegs, ist in die Jahre gekommen.

Rissbildungen und statische Probleme aufgrund mangelhafter Fundamente konnten mit Unterstützung des Bistums Limburg bereits im Sommer 2018 erfolgreich behoben werden. Nun wird der zweite Bauabschnitt in Angriff genommen, die Sanierung des Innenraums. Partielle Senkungen der 400 m² großen Bodenplatte im Innenraum waren zu einem Risiko für die Besucher geworden, also soll sie entfernt und durch eine stabilere Konstruktion ersetzt werden.
Eine böse Überraschung zeigte sich allerdings nach der Entfernung der Platte: Der gesamte Kirchenraum ist metertief von kräftigen Wurzeln durchzogen. Sie stammen von vier Platanen, die entlang der Hedwig-Dransfeld-Straße an der nordöstlichen Seite der Kirche stehen. Diese wurden 1974 von der Stadt Frankfurt gepflanzt und sind inzwischen 22 bis 25 m hoch. Durch die Nähe zum Bauwerk wachsen sie geneigt der Sonne entgegen und haben eine hohen Wasserverbrauch: Jeder Baum benötigt mehrere hundert Liter Wasser pro Tag, das er sich aus einem weiten Umfeld und aus großer Tiefe holt.

NEUES GRÜN SOLL GEPFLANZT WERDEN

Dass Baumwurzeln in Gebäuden nichts zu suchen haben, steht außer Frage, wie aber soll man Kirche und Bäume gleichermaßen schützen? In intensiven Beratungen mit dem Grünflächenamt, Boden- und Baumgutachtern sowie Statikern wurden allerlei Möglichkeiten erwogen. In ähnlichen Fällen konnten etwa Wurzelschutzwände (Rhizomsperren) helfen. In diesem Fall aber – darüber sind sich die Fachleute inzwischen einig – würden bauliche Maßnahmen zum Wurzelschutz die Standfestigkeit der geneigten Bäume so weit beeinträchtigen, dass die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet wäre. Nach Monaten intensiver Lösungssuche sind sich nun alle Beteiligten einig: Es gibt keine Alternative zur Fällung der vier Platanen. Nur so werde die Frauenfriedenskirche von Wurzeldruck und Bodenverdichtung entlastet, ohne dass es zugleich zu gefährlichen Situationen durch umstürzende Bäume kommen könnte.

Die Stadtverwaltung wird nun eine Vorlage auf den Weg bringen um einen Stadtverordnetenbeschluss zur Fällung der Bäume zu erwirken.

Grün soll jedoch erhalten bleiben – das ist die einhellige Meinung aller Beteiligten von Stadt und Kirchengemeinde. Deshalb gibt es Überlegungen, an die Bepflanzung des unteren Teiles der Straße anzuknüpfen und eine Reihe neuer, kleinerer Bäume anzupflanzen, die mehr in die Tiefe als in die Breite wurzeln und in ausreichendem Abstand zum Kirchengebäude stehen.

Für alle Interessierten, die sich selbst ein Bild von der Situation machen wollen, lud die Gemeinde am Sonntag, 3. Februar, um 12.30 Uhr zu einer öffentlichen Besichtigung der Baustelle ein. Rund 150 interessierte Personen fanden sich zu diesem Termin in der Kirche ein und konnten sich vor Ort informieren.