Die Orgeln in der Frauenfriedenskirche

 

Die Chororgel

Mit der Wiedereröffnung der Frauenfriedenskirche verfügt die Kirche über zwei Orgeln. Die inmitten des Kirchenschiffs errichtete Chororgel, ist ein von der Firma Mayer aus Heusweiler im Saarland 1988 für die Kirche Sankt Raphael im Frankfurter Industriehof gefertigtes Instrument. Es verfügt über 13 Register auf zwei Manualen und Pedal und wurde 2020 nach der Profanierung der Kirche umgebaut und neu intoniert. So präsentiert sich die Orgel heute in einer dem Raum entsprechenden zeitlos-modernen Optik und mit einem weichen, grundtonstarken Klang. Da dieses Instrument aus soliden Materialien gefertigt ist, ließ sich die Aufstellung der Orgel als nachhaltige, zusätzliche Investition in die Pfarrkirche Frauenfrieden rechtfertigen. Mit der Mayer-Orgel lebt nun ein Stück der Kirche Sankt Raphael in Bockenheim weiter.

I Hauptwerk C-g3

II Schwellwerk C-g3

Pedal C-f1

Offenflöte 8'

Principal 4'

Gemshorn 2'

Mixtur 3-fach 11/3'

Oboe 8'

Tremulant

Holzgedackt 8'

Salicional 8'

Rohrflöte 4'

Principal 2'

Nazard 22/3'

Terz 11/5'

Tremulant

Subbass 16'

Octavbass 8'

Koppeln II/I, I/P, II/P

Mechanische spiel- und Registertraktur

 

 

Die Hauptorgel

Es ist wie ein roter Faden, der durch die Geschichte von Frauenfrieden führt: Geldmangel. Dass dieser Aspekt der Geschichte der Kirche sich in einem so kostspieligen Gegenstand wie der Orgel widerspiegelt, erscheint mehr als nachvollziehbar. Aus diesem Grund wurde die von der Firma Späth aus Ennetach ursprünglich geplante Orgel, mit 70 Registern, nie realisiert. Stattdessen lieferte die gleiche Firma ein kleineres Instrument mit 30 Registern und einem vorläufigen Spieltisch. Diese Behelfsorgel von 1930 wurde 1957 von der Firma Späth erweitert und ein neuer Spieltisch geliefert. 1996, also knapp vierzig Jahre nach der Erweiterung (Ausreinigungen und Sanierungen einer Orgel sollten in einem Intervall von 20 bis 25 Jahren erfolgen), wurden die Ausfallerscheinungen am Instrument so groß, dass die Gemeinde sich zum Handeln gezwungen sah.

Die Anschaffung eines neuen Instrumentes war in keinster Weise finanzierbar, weshalb zwar durch die Firma Sauer aus Höxter ein technisch neues Instrument mit einem neuen Spieltisch gebaut wurde, dabei jedoch auf die Pfeifen von 1930 und Register der abgebauten Chororgel des Doms (Walcker 1951) zurückgegriffen wurde. Lediglich 16, der insgesamt 45 Register wurden im Jahr 1996 neu gearbeitet. In diesem Zustand ist die Orgel heute noch zu hören.

 

I Hauptwerk C–g3
1.Principal16′
2.Principal8′
3.Gemshorn8′
4.Großgedackt8′
5.Oktave4′
6.Nachthorn4′
7.Quinte223
8.Oktave2′
9.Cornett V (ab c0)8′
10.Mixtur V2′
11.Zimbel III12
12.Trompete16′
13.Trompete8′
 Tuba (vorgesehen)8′
II Positiv C–g3
14.Principal8′
15.Singend Gedackt8′
16.Offenflöte4′
17.Nasat223
18.Principal2′
19.Terz135
20.Quinte113
21.Scharff IV1′
22.Cromorne8′
 Tremulant
III Schwellwerk C–g3
23.Bordun16′
24.Geigenprincipal8′
25.Jubalflöte8′
26.Salicional8′
27.Vox coelestis (ab c0)8′
28.Principal4′
29.Traversflöte4′
30.Piccolo2′
31.Fourniture IV223
32.Basson16′
33.Tromp. harmonique8'
34.Hautbois8′
Pedal C–f1
35.Principal16′
36.Subbaß16′
37.Quinte1023
38.Oktavbaß8′
39.Gedacktbaß8′
40.Choralbaß4′
41.Hintersatz VI223
42.Contrafagott32′
43.Posaune16′
44.Trompete8′
45.Clairon4′

 

 

 

Die Späth-Sauer-Orgel, ein Sanierungsfall?

Ein Gemeindeprojekt für Alle

Von Christos Theel

 

Die Musik im Gottesdienst ist eine Musik für alle Menschen, die unsere Kirche besuchen. Hier wird nicht gefragt wo man her kommt, wie viel Geld man hat oder welche berufliche Qualifikation man mitbringt. Die Kirchenmusik unterscheidet dieser Aspekt von großen Opernbühnen beispielsweise, bei denen besonders die Frage nach den Kosten für eine Karte eine Rolle spielt. Gemeinschaft sein vor Gott, ist ein Ziel des Gottesdienstes und eben diese Gemeinschaft zu unterstützen, ist ein Aspekt der Kirchenmusik. Wenn wir nach Jahren der Sanierung unserer Pfarrkirche an das Projekt Orgelsanierung gehen, sollte dieser Zweck der Orgel nicht zu kurz kommen. Gemeinschaftlich etwas Nachhaltiges für Gott und die Menschen zu schaffen, was für uns alle da ist, rechtfertigt das anfallende Investitionsvolumen im sechsstelligen Bereich und verbindet uns letztlich mit den Frauen der 1920-Jahre, die diese Kirche damals initiiert haben. Im Folgenden möchte ich Sie über die Lage rund um die Hauptorgel informieren.

Für mich als neuen Kirchenmusiker an Frauenfrieden war mein Dienstbeginn in mehrfacher Hinsicht schwierig, wenn auch äußerst spannend. Nach meiner Ernennung und Einführung, die corona- und baubedingt in Sankt Elisabeth mit wenigen Personen stattfand, galt meine Aufmerksamkeit zunächst dem Aufbau und der Begleitung der Intonation der Chororgel. Ein Instrument, welches vor 30 Jahren für eine andere Kirche, mit einer anderen Akustik geschaffen wurde, musste angepasst werden und das in einen Raum, den ich selber mit seiner Akustik erst kennenlernen musste. Es zeigte sich, dass die Mayer-Orgel handwerklich solide gearbeitet ist und eine weiche, grundtönige Intonation im hohen Maße zu verwirklichen war. Darüber hinaus ist die Mechanik in ihrer Präzision und Ausgewogenheit hervorragend, womit eine neuwertige, moderne Orgel entstanden ist. Doch was war mit der Hauptorgel? Wie wird sie klingen und wie ist ihr Zustand nach fast drei Jahren Baustelle?

Nach einer nächtlichen Bestandsaufnahme, zu einer anderen Uhrzeit hätte man den Zorn der Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter auf sich gezogen, stand fest, dass das Instrument im Kern die Bauzeit gut überstanden hat und in einem technisch guten Zustand ist. Wenn man von einem unbekannten Instrument weiß, dass es Pfeifenmaterial aus drei Epochen vereint, fragt man sich unwillkürlich, ob das gut und zusammenhängend klingt. Diese Frage muss grundsätzlich bejaht werden. Grundsätzlich, aber nicht vollständig! Der Sparzwang 1996 erzeugte den Ankauf der alten Chororgel des Kaiserdoms (Walcker 1951), also von Pfeifen, die teilweise nicht dem heutigen Verständnis von Qualität entsprechen. Sie stehen im Kontrast zum Pfeifenbestand von 1930 und 1996, allerdings sind grobe Brüche im Klang kaum hörbar. Die Pfeifen von 1930 sind als Klangträger dieser Orgel nicht hoch genug zu schätzen. Sie sind grundtönig, aus wertigem Material und klangstark ohne brachial zu sein. Die 1920er und 30er-Jahre sind eine wichtige Etappe im Orgelbau gewesen, in der romantische Hörgewohnheiten und romantische Instrumentenbaukunst mit dem Bedürfnis vorbarocke und barocke Musik zu musizieren, kombiniert wurden.

Der Sparzwang beim Neubau 1996 führte außerdem dazu, dass manche Register nicht vollständig ausgeführt wurden. So kommt es in tiefen Bereichen bei den Trompeten vor, dass eine Pfeife für zwei Register klingt. Bei der Durchsicht der Orgel ergaben sich auf technischer Seite wenige Mängel, die allerdings behoben werden müssen. Dazu zählt die Erneuerung der gesamten Elektrik, die sich zunehmend als störanfällig erweist und für die kaum noch Ersatzteile zu beschaffen sind. Der 1996 ausgeführte technische Neubau der Orgel ist grundsätzlich solide ausgeführt, was eine Investition in die Späth-Sauer-Orgel rechtfertigt.

 

Was ist also zu tun?

In diesem Jahr werden Dr. Achim Seip, der diözesane Sachverständige und ich als zuständiger Kirchenmusiker ein Konzept zur Sanierung der Hauptorgel erarbeiten. Es wird zwingend auszuführende Arbeiten beinhalten, zu denen die Ausreinigung, die Erneuerung der Elektrik mit Erneuerung der Setzeranlage und die Ertüchtigung des Schwellwerkes zählt. Ferner muss dringend der Arbeitsschutz im Instrument verbessert werden, Geländer in 20 Metern Höhe und sichere Leitern fehlen momentan. Nach einer Ausreinigung wird die gesamte Orgel neu intoniert, sodass einige Brüche im Gesamtklang verschwinden werden. Neben diesen grundlegenden Arbeiten wären weitreichende klangliche Eingriffe notwendig, die aber mit weiteren Kosten verbunden sind. Dazu zählen das Ergänzen der teilweise unvollständigen Register, das Umstellen einzelner Register und die Schaffung der bereits 1996 angedachten Hochdrucktrompete. Dass besonders einige Zungenregister nicht vollständig ausgeführt sind, erzeugt im Gesamtklang deutlich hörbare Schwächen, die außerdem zu klanglich wenig ästhetischen Effekten führen. Für Ihre Spende und Ihr Mittuen bei der anstehenden Orgelsanierung danken wir Ihnen herzlich!